ZEIT für X
Warum schlägt das Herz auf der linken Seite und wie beeinflussen die Gesetze der Physik unsere DNA? Am Exzellenzcluster „Physics of Life" (PoL) erforschen Prof. Otger Campàs und weitere Wissenschaftler:innen die Grundlagen des Lebens.

Exzellenz als Antrieb

28. November 2025
Anzeige
Ein Artikel der Technische Universität Dresden

Die TU Dresden gehört seit 2012 zum Kreis der elf deutschen Exzellenz­universitäten und zählt zu den leistungs­stärksten Forschungs­einrichtungen Deutschlands. 2025 verteidigte die TUD nicht nur ihre drei bereits etablierten Exzellenz­cluster, sondern warb erfolg­reich zwei weitere ein. Alle Projekte tragen dazu bei, das Wissen in Grenz­bereichen der Forschung zu erweitern, alle suchen nach Lösungen für die großen globalen Heraus­forderungen – und alle sind inter­disziplinär angelegt. Das ist kein Zufall: Bahn­brechende Erkenntnisse entstehen im Zusammen­spiel vieler Perspektiven. Deshalb versteht sich die TUD als „The Collaborative University“.

Was hat ein Donut mit Quanten zu tun? Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten sehr viel. Denn das runde Gebäck mit dem prägnanten Loch in der Mitte gleicht einem geometrischen Gebilde, mit dem sich das Innere von Quanten­materialien auf theoretischer Ebene beschreiben lässt. Dabei trifft Physik auf Topologie, einen Teilbereich der Mathe­matik. Diese Verbindung ist ein revolutionärer Forschungs­ansatz, den das Exzellenz­cluster „Complexity, Topology and Dynamics in Quantum Matter“ (ctd.qmat) gemeinsam mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg seit 2019 weiter­entwickelt.

Neue Quanten­materialien – revolutionäre technische Anwendungen

Fast 400 Forschende aus 38 Ländern suchen nach neuen topologischen Werkstoffen. Deren besondere Eigenschaften gilt es, nutzbar zu machen – z. B. als mega­schnelle Quanten­chips, die kaum Energie verbrauchen. Oder als außer­gewöhnlich leistungs­starke topologische Laser. Über die Wissenschafts­allianz DRESDEN-concept ist ctd.qmat eng verzahnt mit drei renommierten Dresdner Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft. Dem Exzellenz­cluster ist es zum Beispiel gelungen, ein nur sand­korn­großes Laser­netz­werk zu entwickeln, das wie ein einziger Laser agiert. Damit lässt sich die Leistung von bestimmten Mikro­lasern steigern, die in Mobil­telefonen, Glas­faser­netzen und anderen Alltags­technologien bereits fest verankert sind.

Das Leben bis ins Detail verstehen

Aus einer neuen Perspektive blickt das Exzellenz­cluster „Physics of Life“ (PoL) auf das Leben. Ein multi­disziplinäres Team will die Bedeutung physikalischer Gesetze für Wachstum und Struktur­bildung in Organismen sowie dynamischer Organisation von Molekülen, Zellen und Geweben ergründen. Die Forschenden erkunden die Physik hinter der Zell­biologie. Ziel ist es, lebende Materie exakter zu beschreiben und damit Bio­technologie und Medizin auf berechen­barere Arbeits­grund­lagen zu stellen. So versucht ein inter­disziplinäres Team beispiels­weise heraus­zu­finden, wie sich Zellen selbst organisieren, um embryonale Strukturen aufzubauen. Zukünftig kann dies helfen, Krankheits­prozesse besser zu verstehen und potenziell neue therapeutische Möglichkeiten schaffen. Im Cluster sind neben der TUD auch Institute der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibnitz-Gemeinschaft und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf beteiligt.

Warum schlägt das Herz auf der linken Seite und wie beeinflussen die Gesetze der Physik unsere DNA? Am Exzellenzcluster „Physics of Life" (PoL) erforschen Prof. Otger Campàs und weitere Wissenschaftler:innen die Grundlagen des Lebens.
© AVANGA Filmproduktion Warum schlägt das Herz auf der linken Seite und wie beeinflussen die Gesetze der Physik unsere DNA? Am Exzellenzcluster „Physics of Life" (PoL) erforschen Prof. Otger Campàs und weitere Wissenschaftler:innen die Grundlagen des Lebens.

Mensch und Maschine – Robotik der Zukunft

Innovative Robotiklösungen, die das tägliche Leben unter­stützen sollen – technische Systeme, die mit Menschen in Echtzeit interagieren: Daran arbeiten Forschende aus 22 Nationen im Exzellenz­cluster „Centre for Tactile Internet with Human in the Loop“ (CeTI). Industrielösungen sollen ebenso entstehen wie Hilfs­mittel für lebens­begleitendes Lernen und computer­basierte Assistenz­systeme für die Chirurgie. Daher ist neben Maschinen­bau, Elektro- und Kommunikations­technik, Informatik und Medizin auch die Psychologie an CeTI beteiligt. Sie liefert grund­legende Erkenntnisse über den Menschen, damit die Schnitt­stellen zwischen Mensch und Maschine funktionieren. In der Praxis ermöglicht die Forschung im CeTI-Exzellenz­cluster zum Beispiel die sichere Zusammen­arbeit zwischen Menschen und Robotern im Operations­saal. 19 ausgegründete Startups zeugen von der Innovations­fähigkeit und Anwendungs­nähe des Clusters.

Weltpremiere: In der Robotersinfonie dirigiert ein von CeTI entwickelter Roboter ein ganzes Orchester.
© David Suenderhauf Weltpremiere: In der Robotersinfonie dirigiert ein von CeTI entwickelter Roboter ein ganzes Orchester.

Nachhaltiges Bauen – Bauen neu gedacht

Überall wachsen die Städte. Das Bauwesen gehört jedoch zu den größten Klima­treibern auf der Erde. Im Exzellenz­cluster „Climate Neutral and Resource Efficient Construction“ (CARE) von TUD und RWTH Aachen entstehen deshalb Materialien, die stabil und zugleich klima­freundlich sind. Wie Bauen neu gedacht werden kann, zeigt auch das Vorhaben „openLAB“. Die TUD koordiniert damit eine welt­weit einzigartige Forschungs­plattform: eine 45 Meter lange Brücke im sächsischen Bautzen, ausgestattet mit mehr als 200 Sensoren. Sie liefert Echt­zeit­daten für KI gestützte Diagnosen, die Brücken sicherer und lang­lebiger machen. Bereits gebaute Realität ist der Carbon­beton der TUD geworden. Seine Bewehrung besteht nicht aus Stahl, sondern aus Kohlen­stoff­fasern. Carbonbeton ist leicht, haltbar, klima­freundlich – und kann durch digitale Technik wie Sensoren ergänzt werden.

Der CUBE auf dem Campus der TUD ist das weltweit erste Gebäude aus Carbonbeton – einem nachhaltigen Baustoff der Zukunft.
© Stefan Gröschel Der CUBE auf dem Campus der TUD ist das weltweit erste Gebäude aus Carbonbeton – einem nachhaltigen Baustoff der Zukunft.

Nachhaltige Elektronik der Zukunft

Ob Smartphone, Laptop oder Fernseher – ohne Elektronik ist der Alltag undenkbar. Doch ihre Herstellung verbraucht enorme Ressourcen und erzeugt große Mengen Elektro­schrott. Das Exzellenz­cluster „Responsible Electronics in the Climate Change Era“ (REC2) der TUD strebt einen Paradigmen­wechsel an: Die Forscher:innen von REC2 entwickeln die Elektronik der Zukunft – ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich nach­haltig. Das beinhaltet neuartige Materialien, Bauteile und Systeme. Ein Team im Exzellenz­cluster REC2 forscht beispielsweise an innovativen Halb­leiter­materialien, die sich zu hoch­effizienten Solar­zellen verarbeiten lassen. So soll auch Dresden als innovativer Standort für Mikro­elektronik­forschung gestärkt werden.

Prof. Yana Vaynzof forscht an elektronischen Materialien. Im Exzellenzcluster REC² legt sie mit ihrem Team die wissenschaftlichen Grundlagen für die nachhaltige Hochleistungselektronik der Zukunft.
© Amac Garbe Prof. Yana Vaynzof forscht an elektronischen Materialien. Im Exzellenzcluster REC² legt sie mit ihrem Team die wissenschaftlichen Grundlagen für die nachhaltige Hochleistungselektronik der Zukunft.

Die Exzellenzcluster der TU Dresden