Ressourcenschonend in die Zukunft: Additive Fertigung neu gedacht
AnzeigeIm CZS Center KRAFt entwickeln Forschende ressourceneffiziente 3D-Druckprozesse für die Industrie – mit dem Ziel, Additive Fertigung in geschlossene Materialkreisläufe zu integrieren.
Additive Fertigung: Ressourcenschonende Produktion für die Zukunft
In vielen technikaffinen Haushalten gehört der 3D-Drucker längst zur Ausstattung. Ein defektes Kunststoffteil schnell ersetzt, ein praktisches Gadget für den Alltag selbst entworfen – die Technologie ist in den letzten Jahren deutlich zugänglicher geworden. Doch nicht nur im Privaten, auch in der Industrie ist die sogenannte additive Fertigung gefragter denn je.
Der große Vorteil: Material wird nur dort aufgetragen, wo es tatsächlich gebraucht wird – Schicht für Schicht. So entstehen besonders leichte oder hochkomplexe Bauteile, etwa bionisch inspirierte Strukturen, die sich an Vorbildern aus der Natur wie Knochen oder Korallen orientieren. Sie sind stabil, materialsparend und mit klassischen Verfahren oft nicht herstellbar. Dieser gezielte Materialeinsatz spart nicht nur Rohstoffe, sondern auch Energie beim Einsatz der Bauteile oder Montagezeit.
Ein neu gegründeter Forschungsverbund widmet sich nun dem schonenden Umgang mit Ressourcen wie Rohstoffen und Energie – eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Die additive Fertigung spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie ermöglicht die Entwicklung hochfunktionaler Bauteile und bietet die Chance, recycelte Materialien – sogenannte Sekundärstoffe – gezielt in Kunststoff- und Metallprozesse einzubringen. Soweit die Theorie.
Damit diese Theorie künftig auch in der Praxis wirkt, forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im „CZS Center für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz mittels Additiver Fertigungstechnologien“ – kurz CZS Center KRAFt – daran, wie sich additive Prozessketten ressourcenschonender gestalten lassen.
Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Werkstoffgruppen, die besonders häufig eingesetzt werden: Kunststoffe und Metalle. Ziel ist es unter anderem, hochwertige Vormaterialien aus Sekundärstoffen zu gewinnen und geschlossene Stoffkreisläufe zu etablieren.
Nicht nur die unterschiedlichen Materialien, sondern auch der systemische Blick auf die gesamte Prozesskette macht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit im Center unverzichtbar. Zehn Arbeitsgruppen an drei Standorten – dem Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Hochschule Aalen – bündeln dafür ihre Kompetenzen. Sie untersuchen die gesamte Prozesskette der additiven Fertigung vom präzisen Materialverhalten über Energie- und Stoffströme bis hin zur Entwicklung effizienter Fertigungsprozesse und verbesserter Endprodukte. Zur Umsetzung stehen dabei nicht nur die Prozessketten in Kunststoff und Metall, sondern auch für technische Keramiken zur Verfügung.
Gefördert wird das interdisziplinäre Vorhaben von der Carl-Zeiss-Stiftung (CZS) mit insgesamt zwölf Millionen Euro. Ein Großteil davon fließt in die Arbeit von Promovierenden – und damit in die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, der die Industrie von morgen nachhaltig mitgestalten soll.
Aus Alt wird Zukunft: Wie Abfallkunststoffe zu Hightech-Bauteilen werden
Am Anfang steht ein scheinbar wertloses Stück Kunststoff – ausgedient, achtlos entsorgt, Herkunft unbekannt. In der Regel landet es im Müll, bestenfalls im Recycling. Doch was wäre, wenn genau dieses Stück Kunststoff der Anfang eines Bauteils wird, das in einer Maschine läuft, ein Gerät schützt oder ein Produkt ermöglicht?
Diese Frage treibt das Forscherteam im CZS Center KRAFt an. Sie richten ihren Blick auf sortenreine, aber in ihrer Herkunft unbekannte Kunststoffabfälle – etwa Produktionsreste oder Verpackungsteile. Ziel ist es, daraus neues, hochwertiges Ausgangsmaterial für die industrielle additive Fertigung zu gewinnen – ohne den Umweg über die Filamentherstellung. Stattdessen wird das recycelte Material als Granulat direkt im 3D-Druckprozess eingesetzt. Das spart Energie, Kosten – und vor allem Ressourcen.
Doch bevor aus dem Granulat ein funktionierendes Bauteil entsteht, braucht es Wissen. Denn selbst sortenreine Kunststoffe weisen unterschiedliche Eigenschaften auf – je nach Alter, Zusatzstoffen oder früherem Einsatz. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren deshalb systematisch, wie sich diese Unterschiede auf das Druckverhalten und die Bauteilqualität auswirken. Ihr Ziel: Ein Modell, das vorhersagt, wie belastbar und langlebig ein Bauteil aus recyceltem Kunststoff sein wird – noch bevor der erste Druckvorgang beginnt.
Die Vision: Eine industrielle Fertigung, die nicht auf Neuware angewiesen ist, sondern gezielt auf vorhandene Ressourcen zurückgreift. Bauteile aus Abfällen – aber von höchster Qualität. So wird aus einem Einwegprodukt ein langlebiges Element in der Fertigung von morgen.
Metallrecycling für den 3D-Druck: Vom Span zum Hochleistungspulver
Metallische Werkstoffe sind zentrale Bausteine industrieller Wertschöpfung, gleichzeitig jedoch energieintensiv in Herstellung und Verarbeitung. In der spanenden Fertigung entstehen große Mengen an Reststoffen, deren Wiederverwertung bislang meist im Einschmelzen endet. Am CZS Center KRAFt wird daran geforscht, diese Nebenprodukte gezielt für die additive Fertigung nutzbar zu machen – als Teil einer geschlossenen industriellen Prozesskette.
Zentral ist dabei der Aufbau einer eigenen VIGA-Anlage (Vacuum Inert Gas Atomization) am Umwelt-Campus Birkenfeld. Mit ihr können aufbereitete Späne in einer Schutzgasatmosphäre geschmolzen und zu hochreinem Metallpulver verdüst werden – genau jenem Pulver, das als Ausgangsmaterial für die additive Fertigung mit hoher Bauteilqualität erforderlich ist.
Die zentrale Herausforderung: Die Späne aus industriellen Fertigungsprozessen sind häufig verunreinigt, oxidiert oder weisen stark schwankende Materialeigenschaften auf. Um ein standardisierbares Pulver mit definierter Partikelgrößenverteilung und homogener chemischer Zusammensetzung zu erzeugen, müssen Vorbehandlung, Schmelzführung und Verdüsung exakt aufeinander abgestimmt werden.
Ziel ist es, reproduzierbare Pulverqualitäten zu erzeugen, die den Anforderungen industrieller Anwendungen gerecht werden, etwa für funktionsintegrierte oder hochbelastbare Bauteile. So entsteht ein geschlossener Stoffkreislauf in der Metallverarbeitung; ein zentraler Schritt hin zu mehr Ressourceneffizienz in der industriellen Fertigung.
Das CZS Center KRAFt am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier freut sich auf Ihre Fragen, Anregungen und die Zusammenarbeit:
Prof. Dr.-Ing. Michael Wahl
m.wahl@umwelt-campus.de
Wie ressourceneffizient ist additive Fertigung wirklich?
Alle Maßnahmen im Center KRAFt folgen einer übergeordneten Frage: Lässt sich additive Fertigung messbar ressourceneffizienter gestalten als klassische Verfahren? Um diese Frage fundiert zu beantworten, führen die beteiligten Teams systematische Lebenszyklusanalysen (LCA) durch – für Kunststoffe, Metalle und komplette Prozessketten.
Dabei werden Energie- und Stoffströme entlang des gesamten Herstellungsprozesses erfasst – von der Materialgewinnung über die Aufbereitung bis hin zum fertigen Bauteil. Die so gewonnenen Daten ermöglichen gezielte Prozessverbesserungen, etwa durch neue Geometrien, reduzierte Energieverbräuche oder langlebigere Komponenten.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Wissenstransfer: Die LCA-Daten werden auch externen Forschungseinrichtungen und Industriepartnern zur Verfügung gestellt – zur Weiterentwicklung von Standards und zur Verankerung ressourcenschonender Praktiken im industriellen Alltag.
Koordiniert wird das Projekt durch Prof. Wahl vom Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier, der seit seiner Gründung 1996 Vorreiter in Sachen nachhaltige Technologieentwicklung ist. Mit dem Center KRAFt geht er den nächsten logischen Schritt: Technik für eine Industrie, die nicht nur innovativ ist – sondern auch zukunftsfähig.
Die Freude an der Forschung und Zusammenarbeit…
… macht die Hochschule Trier so erfolgreich: In ihren drei Forschungsschwerpunkten bündelt sie wissenschaftliche Expertise zu angewandtem Stoffstrommanagement, intelligenten Technologien für nachhaltige Entwicklung und Life Sciences. Durch ihr zukunftsfähiges Forschungsprofil, das sich an den dringenden Bedarfen unserer Zeit orientiert, ist die Hochschule Trier mit ihren Forschenden in zahlreichen innovativen Projekten in Deutschland und der Welt aktiv.
Vielfalt ist dabei Trumpf: Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Forschenden aller Karrierestufen aus den Bereichen Gestaltung und Informatik, Recht, dem Ingenieurswesen und Wirtschaftswissenschaften sind Alltag in der Forschung und künstlerischen Entwicklung. In den zahlreichen Projekten spiegelt sich die Freude, aus Ideen nachhaltige Innovationen für die Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wachsen zu lassen.