ZEIT für X

"Klimaschutz ist in erster Linie kein Kostenfaktor, sondern ein Wachstumsmotor"

08. Dezember 2025
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© Andreas Henn

Wie kann das Geschäftsmodell „Made in Germany“ klimaneutral werden? Und stehen Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum tatsächlich im Widerspruch? Beim Event „ZEIT für Klima“ am 26. November 2025 diskutierten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik: KfW-Chef Stefan B. Wintels, Staatssekretär Jochen Flasbarth, Otto-Group-CEO Petra Scharner-Wolff, TenneT-Deutschland-CEO Tim Meyerjürgens und Bauunternehmer Jan-Hendrik Goldbeck.

Mit einem klaren Appell eröffnete Stefan B. Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, den Abend: „Wir stehen mit unserem Geschäftsmodell ‚Made in Germany‘ am Scheideweg.“ Seine zentrale Botschaft: „Klimaschutz ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wachstumsmotor.“ Nach sieben Jahren geringem Wachstum müsse Deutschland die zweite Halbzeit des Jahrzehnts für sich entscheiden, um fiskalischen und politischen Handlungsspielraum zu sichern. Wintels machte deutlich: „Klimaschutz und Wirtschaftswachstum schließen sich nicht aus.” Dabei verwies er auf eine KfW-Studie, die zeigt: Der Markt für grüne Technologien wächst weltweit und dürfte sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Mit einem Welthandelsanteil von 13 Prozent ist Deutschland bereits gut aufgestellt.

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, betonte den gesellschaftlichen Aspekt des Klimaschutzes: „Wir haben den Rückhalt in der Bevölkerung verloren – das Thema spaltet mehr, als es verbindet.“ Die Aufgabe der Politik sei es nun, Klimaschutz wieder als gemeinsames Projekt der Mitte zu verankern. „Wir müssen weiterkämpfen und zeigen, dass es gut für unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft ist“, so Flasbarth.

Petra Scharner-Wolff, Vorstandsvorsitzende der Otto Group, machte aus Unternehmersicht klar: Werteorientiertes Wirtschaften und langfristige Profitabilität gehören zusammen. Nachhaltige Initiativen wie „Cotton made in Africa“ hätten sich trotz anfänglicher wirtschaftlicher Nachteile bewährt: „Ja, vielleicht haben wir kurzfristig weniger Gewinn. Aber ich glaube, dass es sehr gut investiertes Geld ist.“ Parallel setze Otto massiv auf KI, um Prozesse effizienter zu machen und Kundinnen und Kunden zu nachhaltigeren Produkten zu führen.

Wie entscheidend Infrastruktur für die Transformation ist, unterstrich schließlich Tim Meyerjürgens, CEO von TenneT Deutschland. Er betonte, wie zentral der deutsche Netzausbau sei, um Stromkosten zu senken. Eine neue Leitung südlich von Bremen hat bereits im ersten Jahr 500 Millionen Euro an Systemkosten eingespart: „Wären wir nur fünf Jahre schneller gewesen, hätten wir zweieinhalb Milliarden gespart.“ Für die Zukunft fordert er weniger ideologische Kurswechsel und stattdessen eine verlässliche, langfristige Energiepolitik.

Am Ende des Abends wurde deutlich: Die Zukunft von „Made in Germany“ als nachhaltige Erfolgsgeschichte entscheidet sich jetzt. Klar ist, dass sie nur gelingen kann, wenn der Klimaschutz den Imagewechsel schafft – und als Wirtschaftsmotor verstanden wird.