ZEIT für X
Seife

Impulse des Monats – Kohlen­stoff, Kreislauf, Klima­daten

15. September 2022

Welche Ideen haben das Potenzial, zum Trend zu werden und unser Miteinander zu verändern? Und was können Unternehmen, Politik und Zivil­gesellschaft daraus lernen? Eine Auswahl neuer Ansätze, die gut für unser Klima sind.

von Anna-Lena Limpert, Studio ZX

Trends kommen und gehen, das liegt in der Natur der Sache. Aber manchmal kann aus einem Trend echter Wandel werden, der lang­fristig für Veränderung sorgt. Vor allem dann, wenn viele Menschen von der Idee dahinter profitieren. In dieser Reihe stellen wir einmal im Monat genau solche Lösungen vor: drei Initiativen, Ideen, Gründungen oder Forschungs­ergebnisse, die inspirieren.

Wie aus CO2 Seife wird

Der Gebäudesektor ist in Deutschland für ungefähr 15% der Emissionen verantwortlich, der größte Teil davon entsteht durch das Heizen von Gebäuden. Es gibt allerdings Möglichkeiten, diese Heiz-Emissionen sinnvoll zu nutzen: Das kanadische Unternehmen CleanO2 hat ein Gerät entwickelt – den CabinX – der an Heizsysteme angeschlossen wird, die mit Gas betrieben werden. Boiler oder Wassererhitzer zum Beispiel. Der CabinX fängt das entstehende CO2 auf und wandelt es um: In Wasser und Kalium­carbonat, auch bekannt als Pottasche. Diese Pottasche wird anschließend erneut weiter­verarbeitet, zu Seife, Reinigungs-, oder Desinfektions­mittel. Die Seifen gibt es in verschiedenen Geruchs­richtungen wie Enviro Mint oder Eco Aloe online bei CleanO2 zu kaufen. Einmal installiert, habe der CabinX ungefähr dieselbe CO2-reduzierende Wirkung wie 300 Bäume, erklärt CleanO2 auf ihrer Website. CleanO2 kooperiert bereits mit Unternehmen oder Hotels, deren CO2-Ausstoß aufgrund der Größe ihrer Gebäude besonders hoch ist. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben auch die Verwendung der Pott­asche weiter ausbauen und arbeitet an neuen Produkten, in denen das umgewandelte CO2 verwendet werden kann.

Fest steht: Das oberste Ziel sollte sein, den CO2-Verbrauch in allen Sektoren so gering wie möglich gehalten werden. Aber weil es ganz ohne eben nicht, oder nur sehr schwer, funktioniert, braucht es Lösungen wie die von CleanO2, um die anfallende Menge an Kohlenstoff sinnvoll nutzbar zu machen.

Initiative für Kreislaufverpackungen

Der weltweite Kunststoffverbrauch wird Prognosen zufolge in den kommenden Jahrzehnten sprunghaft ansteigen und sich bis 2060 mehr als verdoppeln – von 460 auf ungefähr 1,2 Milliarden Tonnen. Außerdem wurden über 75 Prozent aller jemals erzeugten Kunst­stoff­abfälle seit 1950 auf Deponien entsorgt oder in die Umwelt freigesetzt. Weniger als 10 Prozent der Kunst­stoff­abfälle wurden jemals recycelt. Zeit also, etwas dagegen zu unternehmen: “Design4Circularity”, Design für Zirkularität, heißt die Initiative, mit der vier Firmen – Beiersdorf, Clariant, Siegwerk und Borealis – den Verpackungs­markt von Kosmetika verändern und damit Abfälle drastisch reduzieren wollen. Der Name verrät, worum es geht: Die Unternehmen wollen Verpackungen von Cremes und Waschgels möglichst umweltfreundlich gestalten, sodass sie in Form von Kreis­lauf­wirtschaft wieder­verwendet werden können. Nicht, wie sonst beim Recycling häufig für andere Zwecke, sondern für den ursprünglich gedachten. Eine Creme-Verpackung soll also wieder und wieder als solche verwendet werden können. Durch eine smarte Kombination von Verpackungs­materialien zum Beispiel und deren chemischer Zusammen­setzung. Die Initiative soll zum Vorbild und neuen Standard der gesamten Industrie werden. Aus diesem Grund seien Informationen rund um die Entwicklung der Verpackungen auch für andere Unternehmen der Branche zugänglich.

Neben der dringend benötigten Veränderung der Verpackungen selbst, kann die firmen­über­greifende Zusammen­arbeit auch als Blaupause für andere Bereiche gesehen werden. Denn damit nachhaltiger Wandel gelingen kann, stehen vor allem große Unternehmen in der Verantwortung, gemeinsam tief­greifende Veränderungen vorzunehmen.

„Wir sind nicht einmal nah dran“

Um etwas gegen die Klimakrise zu tun, ist es essentiell, sich über ihr Dasein und ihre Brisanz bewusst zu werden. Zu wissen, wie hoch die Emissionen im eigenen Land sind, könnte dieses Bewusst­sein schärfen, finden die beiden Unternehmen Karryos und Doconomy und haben deshalb die Initiative „2030 Forecast“ in Schweden gestartet. Im deren Rahmen befüllen die Climate-Tech-Firmen digitale Werbe­flächen mit tages­aktuellen Daten zur Klimakrise. Die Werbetafeln zeigen außerdem an, wie stark die aktuellen Zahlen von jenen abweichen, die für die Erreichung der schwedischen Klimaziele im Jahr 2030 notwendig wären. „Wir sind nicht mal nah dran“, ist darauf aktuell zu lesen. Abgebildet werden Daten aus vier Kategorien: Industrie, Energie, Verkehr und Flugverkehr. Doconomy und Kayrros haben sich zum Ziel gesetzt, so das kollektive Verantwortungs­bewusst­sein der Bevölkerung mit ihrer Aktion zu stärken.

Ob die Zahlen einerseits für alle Passant:innen verständlich sind und tatsächlich zum Handeln anregen oder eher nur erschrecken, darüber kann man diskutieren. Der Schritt allerdings, für Transparenz und Aufklärung in einer breiten Bevölkerung und an Orten zu sorgen, die hoch­frequentiert sind, kann Vorbild für weitere Initiativen sein.