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Sonnenuntergang

Klimaschutz und Energie­sicher­heit – geht das?

13. Dezember 2022
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Ein Artikel von Studio ZX in Kooperation mit EWE

Seit der Energiekrise hat die Energie­sicher­heit höchste Priorität. Bedeutet dies Abstriche in Sachen Klima­schutz? Stefan Dohler, CEO von EWE, erklärt, wie das Energie­unternehmen dieses Dilemma löst.

von Anna-Lena Limpert, Studio ZX

Die Herausforderungen, die der Angriffs­krieg Russlands auf die Ukraine mit sich bringt, zwingen Energie­unternehmen wie EWE zu unliebsamen Entscheidungen: Um von russischen Rohstoffen, insbesondere Gas, unabhängig zu werden, lässt das Unternehmen das eigene Kohle­kraft­werk in Bremen länger am Netz als geplant. Zugleich bleibt die Klima­neutralität bis 2035 das angestrebte Ziel. Wie passt das zusammen? Stefan Dohler, Geschäfts­führer von EWE, erklärt im Interview, wie sich das Unternehmen nun auf­stellt und welche Maßnahmen zur Sicherung der Energie­sicherheit und Einhaltung der Klima­ziele wichtig sind.

Herr Dohler, nachdem Deutschland sich aus der Energie­abhängigkeit von Russland löst, muss die Versorgungs- und Energie­sicherheit gewähr­leistet werden. Was kann EWE dafür tun?

Grundsätzlich können alle etwas dafür tun. Denn Energie einsparen ist immer noch das Gebot der Stunde. Die beste Kilo­watt­stunde ist die, die nicht verbraucht wurde. Aber selbst­verständlich geht es nicht ohne Energie. Daher investiert EWE in neue Energien und baut diese massiv aus. Jedes neue Windrad, das unsere Tochter­firma Alterric aufbaut, macht uns unabhängiger von russischen Gas­lieferungen. Kurz­fristig hilft unsere LNG-Leitung, die wir im Nord­westen bauen, bei der Versorgung von bis zu vier Millionen Haushalten mit Gas­lieferungen aus anderen Ländern. Diese neue Flüssig­gas­leitung wurde wegen des Angriffs­krieges gegen die Ukraine nötig, trägt aber auch der Nach­haltigkeit Rechnung. Denn alle Transport­wege eignen sich auch für die klima­freundliche Beförderung von grünem Wasserstoff.

Nun soll das Kohlekraftwerk in Bremen länger am Netz bleiben als geplant. Wie passt das zu Ihren geplanten Klimazielen?

Auch das ist eine direkte Reaktion auf den russischen Angriffs­krieg. Unser ambitioniertes Ziel war es, schon im kommenden Jahr aus der Kohle­energie aus­zu­steigen. Ohne Krieg wäre es auch dazu gekommen. Doch nun gibt es neue Grundlagen für die Gewähr­leistung der Versorgungs­sicherheit in Deutschland. Daher haben wir uns entschieden, das verbliebene Kohle­kraftwerk noch etwas länger laufen zu lassen und die Versorgungs­sicherheit in Bremen auch ohne russische Gas­lieferungen zu gewähr­leisten.

EWE will Klimaneutralität bis 2035 erreichen. Können Sie dieses Versprechen in Anbetracht der aktuellen Lage noch halten?

Ja, an diesem Ziel halten wir weiter fest. Klimaschutz ist für uns kein Trend, sondern eine Verpflichtung. Die aktuelle Lage des Klima­wandels zeigt, dass unser Weg der richtige ist und wir diesen schneller gehen müssen. Kurz­fristig – also in den nächsten zwei bis drei Jahren – werden wir zusätzlich verstärkt auch auf fossile Energie­träger setzen müssen, um die Versorgungs­sicherheit sicher­zu­stellen. Diese Übergangs­zeit von fossiler Energie wie Erdgas zu ausschließlich grüner Energie ist durch die Kriegs­situation deutlich verkürzt worden. Wir werden bis 2035 klima­neutral, weil wir aus der Kohle­verstromung schon sehr bald aussteigen, die Wind­energie massiv ausbauen und unsere eigenen Verbräuche reduzieren. Dafür werden wir Milliarden investieren.

Herausfordernd bleiben leider die politischen Genehmigungs­verfahren für Wind­kraft­anlagen. Es scheint, als sei alles in Deutschland leichter zu errichten als eine Wind­kraft­anlage, die wir aber für unsere Zukunft dringend benötigen.

Stefan Dohler, CEO von EWE

Welche Maßnahmen planen Sie konkret, und welche Herausforderungen sehen Sie dabei?

Im Nordwesten Deutschlands haben wir die besten Bedingungen, um die grüne Energie­welt von morgen zu gestalten. Der weitere Ausbau von Wind­energie­anlagen ist wesentlich für eine klima­neutrale Zukunft. In wind­reichen Zeiten, in denen wir mehr Energie produzieren als wir benötigen, können wir mit dem Windstrom grünen Wasserstoff produzieren und in unseren unter­irdischen Kavernen speichern. So steht uns auch bei Flaute genug grüne Wind­energie in Form von Wasser­stoff zur Verfügung, den wir dazu noch hier im Norden in großen Mengen speichern können.

Herausfordernd bleiben leider die politischen Genehmigungs­verfahren für Wind­kraft­anlagen. Es dauert viel zu lange, bis die Anlagen stehen, und die Vorgaben sind sehr streng. Es scheint, als sei alles in Deutschland leichter zu errichten als eine Wind­kraft­anlage, die wir aber für unsere Zukunft dringend benötigen. Zusätzlich investieren wir in den Ausbau unserer Stromnetze, nach­haltige Wärme- und Beleuchtungs­lösungen, Photovoltaik für Privat­haus­halte und in Elektro­mobilität.

Die derzeitige wirtschaftliche Situation, besonders die stark gestiegenen Gaspreise, belasten Privat­haus­halte und Unternehmen finanziell deutlich. Was lässt sich hier tun?

Wir begrüßen, dass die Bundesregierung kurzfristig Energie­kunden und -kundinnen entlasten möchte. Die Entlastung von privaten Haushalten für die Monate Januar und Februar halten wir in der derzeit vorliegenden Form beispiels­weise für umsetzbar, weil sie mit ausreichend Vorlauf im März erfolgt und aus­drücklich ohne nachträgliche Korrektur an bereits abgerechneten Verträgen auskommt. Dieser sehr praxis­orientierte Ansatz zeigt uns, dass unsere Hinweise durchaus gehört werden. Schwieriger wird es aus unserer Sicht, die Erd­gas­preis­bremse für Großkunden bereits zum 1. Januar 2023 umzusetzen. Das halten wir im Einklang mit der gesamten Branche für nicht realistisch und drängen weiterhin auf einen Start im März.

Welche politischen Erwartungen und Forderungen gibt es derzeit an Energie­unternehmen, speziell an EWE, und können Sie diesen gerecht werden?

EWE trägt die Verantwortung für die bedrohte Versorgungs­sicherheit und die schnellere Loslösung von konventionellen Energie­trägern mit. Zusätzlich haben wir einen enormen organisatorischen, personellen und finanziellen Zusatz­aufwand, um die häufig sehr kurz­fristigen Entscheidungen der Regierung im Sinne der Kundinnen und Kunden umzusetzen. Zum Beispiel das Abschöpfen von Unternehmens­erlösen zur Refinanzierung der staatlichen Entlastungs­maßnahmen. Das würde unser Tochter­unternehmen Alterric, den größten Grün­strom­erzeuger Deutschlands, in seiner Investitions­kraft bremsen. Wir versperren uns der Idee einer Abschöpfung nicht grund­sätzlich, dürfen aber nicht an den Punkt kommen, an dem wir nicht mehr ausreichend in Versorgungs­sicherheit, Klima­schutz und digitale Teilhabe investieren können. Man muss den Weg in die Energie­zukunft eher verkürzen, als ihn mit der rück­wirkenden oder zu drastischen Abschöpfung länger und steiniger zu machen.

Stefan Dohler, CEO von EWE
© Vollmert

Stefan Dohler ist Vorstands­vorsitzender der EWE AG, Energie­enthusiast, Ingenieur, Vater und Seemann. Sein Motto: „Wenn einer Klima­schutz kann, dann wir alle.“ Der EWE-Konzern will bis 2035 klima­neutral werden.