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Containerschiff

Verantwortung für die Zukunft: Wie können Liefer­ketten nach­haltiger werden?

17. Mai 2022
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Ein Artikel von Studio ZX in Kooperation mit Microsoft

Lieferketten sind oft komplex und undurch­sichtig. Mit dem neuen EU-Liefer­ketten­gesetz soll damit Schluss sein: Transparenz und Nachhaltigkeit werden zur Pflicht. Sechs Tipps, wie sich Unternehmen darauf einstellen können.

von Luca Pot d'Or, Studio ZX

Das neue EU-Lieferkettengesetz nimmt Unternehmen ab 2023 in die Pflicht, Verantwortung für die Liefer­ketten zu über­nehmen, damit der Weg eines Produkts vom herstellenden Betrieb über die Lieferant:innen bis hin zu den Konsument:innen nach­haltiger wird. Während Industrie­verbände durch das Gesetz eine Über­forderung kleinerer Unternehmen befürchten, sieht Nach­haltig­keits­expertin Prof. Dr. Julia Hartmann darin eine Chance für alle Beteiligten. In sechs Tipps erklärt sie, was Unternehmen bei der Umstellung beachten müssen und warum Nach­haltigkeit nicht nur dem Planeten, sondern auch den Unternehmen nutzt.

Know-how über das eigene Produkt

„In den 1980er-Jahren haben Unternehmen weltweit angefangen, Produktions­schritte in andere Teile der Welt out­zu­sourcen, um Kosten zu sparen und sich auf ihre Kern­kompetenz zu konzentrieren. Dadurch ist viel Know-how über das Produkt und seine Komponenten in den Unternehmen verloren gegangen. Kaum jemand weiß heute, durch welche Hände ein einziges Teil eines Produkts gegangen, welche Wege es zurück­gelegt und welche Produktions­bedingungen es erlebt hat. Schon die Corona­pandemie hat gezeigt, dass viele Unternehmen plötzlich auf­geschmissen waren, weil Liefer­ketten unter­brochen waren und sie zu wenig über ihr eigenes Produkt wussten, um schnell nach alternativen Wegen zu suchen. Eine Lebens­zyklus­analyse des Produkts, in der alle Komponenten genau unter­sucht und nach­verfolgt werden, kann helfen, das Know-how wieder ins Unternehmen zu holen, um resilienter und nach­haltiger zu werden.“

Ein nachhaltiger Einkauf spart Kosten

„In einem aktuellen Forschungsprojekt mit einem meiner Doktoranden haben wir Hunderte von Unternehmen in Europa unter­sucht und fest­gestellt, dass Unternehmen, die im Einkauf Wert auf Nach­haltig­keit legen, signifikant weniger CO2-Emissionen in ihren Lieferketten verursachen – und zwar 17 Prozent im Jahr. In Zeiten, in denen CO2-Emissionen immer höher bepreist werden, ist das eine erhebliche Kosten­reduktion und ein Schritt Richtung Compliance, sollte das Unternehmen sich zu den Zielen des Pariser Klima­abkommens bekennen. Unterm Strich steht also neben der ökologischen auch die wirtschaftliche Verbesserung.“

Zuckerbrot und Peitsche

„Bisher konnten Unternehmen bei Klimasünden oder Menschen­rechts­verletzungen entlang ihrer Liefer­kette die Verantwortung stets auf die Zwischen­händler:innen oder Lieferant:innen schieben. Das geht mit dem Liefer­ketten­gesetz nicht mehr so einfach. Wer die Lieferant:innen für mehr Nach­haltigkeit sensibilisieren möchte, hat dafür erfahrungs­gemäß zwei Möglichkeiten. Nennen wir sie Zucker­brot und Peitsche. Die Peitsche meint, dass bei Verstößen zum Beispiel mit der Beendigung des Geschäfts­verhältnisses gedroht wird oder Bußgelder verhängt werden. Das ist zwar nicht ungerecht­fertigt, doch die Forschung zeigt, dass das Zucker­brot deutlich besser funktioniert. Wenn Unternehmen ihre Lieferant:innen durch eine Incentivierung – etwa bessere Konditionen, die Aussicht auf eine lang­fristige Bindung oder Recognition-Programme wie Auszeichnungen oder Preise – von ihren Forderungen überzeugen können, ist der Erfolg lang­fristiger. Andersherum profitieren in Zeiten, in denen die Ware knapp ist, Unternehmen mit einer langfristigen Bindung zu den liefernden Unternehmen als bevorzugte Abnehmer:innen.“

Julia Hartmann
© privat

Prof. Dr. Julia Hartmann lehrt Management und Nach­haltig­keit an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden. Als Expertin für Klima­schutz- und entsprechende Anpassungs­strategien und nach­haltiges Liefer­ketten­management ist sie Mitglied der Jury des Microsoft Intelligent Manufacturing Awards (MIMA), der Vordenker:innen auszeichnet, die mit ihren Ideen und Lösungen die Zukunft der Industrie gestalten.

Verhaltenskodex weitergeben

„Der Trickle-down-Effekt meint, dass Unternehmen, die von dem Liefer­ketten­gesetz betroffen sind, ihre Sorgfalt und ihre Verantwortung in der Liefer­kette Glied für Glied nach unten weitergeben. In der Realität ist dieser Effekt jedoch nur selten zu beobachten. Das hängt einerseits mit der Komplexität mancher Liefer­ketten zusammen. Anderer­seits liegt es auch daran, dass die Einkaufs­abteilung des Unternehmens in der Regel mit dem Vertrieb des liefernden Unternehmens kommuniziert. Dort bleibt der Code of Conduct – also der Verhaltens­kodex, der auf die beteiligten Unternehmen angewandt werden soll – oft schon hängen, weil der Vertrieb ihn nicht nach unten weitergibt. Aus meiner Erfahrung sollte die Einkaufs­abteilung des Unternehmens also nicht nur mit dem Vertrieb der Lieferant:innen, sondern auch mit deren Einkaufs­abteilung kommunizieren, damit die Verantwortlichkeiten direkt nach unten adressiert werden können.“

Im Verbund für mehr Nachhaltigkeit

„Ich habe nun schon öfter gehört, dass viele kleine Unternehmen sich schwertun mit der Über­prüfung ihrer Liefer­ketten. Auch sagen einige, dass sie als kleine Unternehmen kaum Einfluss auf die Entscheidungen und Praktiken ihrer Lieferant:innen hätten. Hier kann ich nur empfehlen, sich an die Verbände zu wenden. Diese können die Forderungen und Erwartungen der Unternehmen bündeln und sie gesammelt an die Lieferant:innen weitergeben. Ideal wäre es, wenn die Kommunikation zum Beispiel über eine Daten­bank geführt wird, auf die die Abnehmer:innen und die Lieferant:innen zugreifen können. Das schafft Transparenz und reduziert den Aufwand für alle Seiten.“

Mehr Anreize für Unternehmen

„Was ich bereits mit ‚Zuckerbrot und Peitsche‘ beschrieben habe, gilt natürlich auch für den Staat, die Industrie­verbände und die Privat­wirtschaft: Anreize für Unternehmen, ihre Liefer­ketten nach­haltig zu gestalten, sind eine gute Ergänzung zu dem, was das Gesetz fordert. Wer sich über die Forderungen hinaus für gute soziale und ökologische Bedingungen entlang der Lieferkette engagiert, sollte dafür belohnt werden. Diese guten Beispiele ziehen wiederum andere Unternehmen mit, sodass ein Schneeballeffekt entsteht, der mehr bewirkt als das Liefer­ketten­gesetz allein. Ein Beispiel: Als Jury­mit­glied des Microsoft Intelligent Manufacturing Awards (MIMA) habe ich gesehen, wie viele Unternehmen sich für digitale Lösungen und auch für das Thema Nach­haltigkeit engagieren und interessieren. Solche Ideen müssen unbedingt gefördert werden, denn sie haben das Potenzial, die Industrie nachhaltiger und besser zu machen!“

Digitale Unterstützung zum Thema Lieferketten

Kund:innenanforderungen wandeln sich, Nach­haltig­keit ist weit mehr als ein Trend, Liefer­ketten digitalisieren sich. Das E-Book „Die neue intelligente Liefer­kette: Strategien für Agilität, Nach­haltig­keit und Operational Excellence“ von Microsoft erklärt, wie Unternehmen sich in einem sich schnell weiter­entwickelnden Markt anpassen können. Hier geht es zum Download.