Impulse des Monats – CO2-neutrales Homeoffice und „Momternships“
Welche Ideen haben das Potenzial, zum Trend zu werden und unser Miteinander zu verändern? Und was können Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft daraus lernen? Eine Auswahl neuer Ansätze für die Arbeitswelt.
Trends kommen und gehen, das liegt in der Natur der Sache. Aber manchmal kann aus einem Trend echter Wandel werden, der langfristig für Veränderung sorgt. Vor allem dann, wenn viele Menschen von der Idee dahinter profitieren. In dieser Reihe stellen wir einmal im Monat genau solche Lösungen vor: drei Initiativen, Ideen, Gründungen oder Forschungsergebnisse, die inspirieren.
Mamas, willkommen zurück?
„Die Pandemie zwang Mütter doppelt so häufig, aus dem Arbeitsleben auszusteigen, wie Männer. Ihre bezahlte Arbeitskraft ist die niedrigste seit 30 Jahren“, schreibt die Agentur MullenLowe zum aktuellen Stand in den USA. Ungleichheit zwischen Müttern und Vätern in Bezug auf deren Arbeitsumfang gibt es aber nicht nur in den Vereinigten Staaten und nicht erst seit der Pandemie: Auch in Deutschland gehen knapp 90 Prozent der Väter einer Beschäftigung nach, dagegen nur 75 Prozent der Mütter – und dann auch meist in Teilzeit. Ein riesiges Problem, für dessen Lösung MullenLowe eine Idee entwickelt hat: In Zusammenarbeit mit HeyMama, einer Online-Community für Mütter, hat die Agentur sogenannte „Momternships“ eingeführt: Internships für Moms, also Praktika speziell für Mütter. Das Ziel ist es, Müttern den Weg zurück in ihre Berufe zu erleichtern oder sie dabei zu unterstützen, sich nach der Elternzeit neu zu orientieren.
Dafür kooperieren die Anbieter mit verschiedenen Unternehmen, bei denen Frauen Momternships absolvieren können. Deren Rahmenbedingungen sind festgeschrieben: Teilnehmende Unternehmen sollten mindestens 25 Dollar pro Stunde zahlen, flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuung anbieten und das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen. Für die Unternehmen haben MullenLowe und HeyMama außerdem ein Toolkit entwickelt, das für die Bedürfnisse von Müttern sensibilisieren und bei der praktischen Umsetzung der Momternships unterstützen soll.
MullenLowe und HeyMama schaffen mit ihrem Konzept einerseits Aufmerksamkeit für die unfaire Verteilung von unbezahlter Care-Arbeit in der westlichen Gesellschaft. Zum anderen liefern sie Hilfestellungen, die Unternehmen auch außerhalb der Momternships umsetzen können. Eine Schattenseite hat das Ganze unter Umständen jedoch: Denn obwohl Praktika der Orientierung in einem neuen Arbeitsumfeld dienen können, bergen sie häufig die Gefahr der Ausbeutung. Zum Beispiel wenn ohnehin qualifizierte Mütter einzig aufgrund ihrer derzeitigen Situation oder fehlender Berufsjahre auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert und damit in bestimmte Arbeitsverhältnisse gedrängt werden. Die Momternships sind außerdem zeitlich begrenzt und mit einer fehlenden Planbarkeit verbunden. Im Toolkit werden beispielsweise keine konkreten Vorschläge zur Weiterbeschäftigung gemacht.
CO2-neutral im Homeoffice
Wenn Mitarbeitende von zu Hause aus arbeiten, sparen sie CO2 – zumindest dann, wenn sie sonst mit Auto, Bus oder Bahn ins Büro gependelt wären. Aber natürlich ist auch der CO2-Verbrauch am heimischen Arbeitsplatz nicht gleich null. Insbesondere durch die Übertragung großer Datenmengen bei der Videotelefonie wird er in die Höhe getrieben. Das US-Unternehmen DECIEM, ein Vertrieb für nachhaltige Kosmetik, hat deshalb eine Initiative für seine Mitarbeiter:innen gestartet: Das Unternehmen kauft Zertifikate für erneuerbare Energien und kompensiert damit die Menge an CO2, die die Mitarbeitenden im Homeoffice erzeugen. DECIEM speist die entsprechende Menge an erneuerbarem Strom wieder ins Netz ein und gleicht so den Verbrauch seiner Mitarbeitenden aus.
DECIEM geht mit gutem Beispiel voran, wenn es darum geht, dass Unternehmen Klimafreundlichkeit ganzheitlich denken. Denn CO2 kann man überall einsparen, nicht nur bei der Produktion, im Transport, bei Flügen oder Fahrten, sondern eben bemessen am tatsächlichen CO2-Ausstoß der Mitarbeitenden. Auch dann, wenn diese zu Hause sitzen.
Schritte fürs Team
Menschen mit Bürojobs kennen das: Spätestens nach acht Stunden am Schreibtisch tut oft der Rücken weh – und häufig nicht nur der. Was helfen würde: weniger sitzen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Aber Talent Maps hat eine Idee, wie es vielleicht klappt mit mehr Bewegung. Das Schweizer Start-up will mit seiner App „Feeting“ Mitarbeitende zum Laufen motivieren. Statt während Audio-Meetings auf dem Bürostuhl zu sitzen, sollen die Teilnehmer:innen spazieren gehen. Dabei sammeln sie Belohnungspunkte fürs Team. Für 1.000 Team-Schritte erhalten die Nutzer:innen „Feetcoins“, die man in der App gegen Produkte eintauschen kann. Da das Mitschreiben beim Laufen etwas schwierig ist, erstellt die App Meeting-Protokolle und hält die Redezeiten der einzelnen Teilnehmer:innen fest.
Ob mit App oder ohne: Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden sollten zählen. Passende Bewegungsangebote, die Mitarbeitende einfach in ihren Arbeitsalltag integrieren können, sind dafür wichtig. Denn am Ende haben nicht nur sie etwas davon, sondern auch die Unternehmen, deren Mitarbeitende gesund bleiben.