ZEIT für X
Innovationen

Impulse des Monats – über Roboter aus Stöcken und trockene Toiletten

01. November 2022

Aus welchen Ideen können Innovationen werden, die unser Miteinander verändern? Und was können Unternehmen, Politik und Zivil­gesellschaft davon mitnehmen? Drei viel­versprechende Ansätze aus der Forschung.

von Anna-Lena Limpert, Studio ZX

Trends kommen und gehen, das liegt in der Natur der Sache. Aber manchmal kann aus einem Trend echter Wandel werden, der langfristig für Veränderung sorgt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ganze Branchen und weite Teile der Gesellschaft von einer Veränderung profitieren. In dieser Reihe stellen wir einmal im Monat genau solche Lösungen vor: drei Initiativen, Ideen, Gründungen oder Forschungs­ergebnisse, die inspirieren und das Zeug für mehr haben.

Ein Roboter aus Stöcken

StickBot: Diesen Namen trägt der kleine Roboter, den Devin Carroll, Doktorand an der University of Pennsylvania in den USA, entwickelt und gebaut hat. Sein Name lässt bereits erahnen, dass der Roboter nicht aus den für seine Spezies üblichen Materialien hergestellt ist. StickBot besteht fast vollständig aus Holzstöcken. In verschiedenen Modi kann er mittels Steuerung über eine eigens entwickelte App beispielsweise Dinge greifen oder sich fortbewegen. Zugegeben: Das können die meisten anderen Roboter auch. Aber darum geht es dem Entwickler auch gar nicht. Denn StickBot steht für eine besondere Idee: Roboter sind für viele Länder, Betriebe oder Industrien derzeit nur schwer erschwinglich – Roboter wie StickBot könnten hier Abhilfe schaffen. Der Stock­roboter ist leicht zu bedienen, einfach zu reparieren, kosten­günstig und außerdem (teilweise) recycelbar. Carroll schätzt die Kosten für seinen Stock­roboter derzeit auf unter 100 US-Dollar.

Wie erfolgreich sind Klimaschutzmaßnahmen?

Um zu bewerten, wie effektiv Klimaschutz­maßnahmen sind, muss man ihre Auswirkungen kennen. Dafür ist es wichtig, die menschlichen Einflüsse, also die Maßnahmen selbst, von natürlichen Prozessen zu trennen. Genau das hat sich ein Forschungsteam von Geograf:innen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) nun zur Aufgabe gemacht. Die Wissenschaftler:innen haben ein Modell entwickelt, mit dessen Hilfe sie menschliche Einflüsse – etwa eine bestimmte Land­nutzung wie Abholzung oder Aufforstung – von natürlichen Prozessen unterscheiden können. Und das über viele Jahre hinweg. Dafür hat das Team um Leiterin Julia Pongratz die Daten von NASA-Satelliten der vergangenen 20 Jahre in ein Daten­modell integriert, das ihnen Aufschluss über ländliche Veränderungen gibt. Wenn dieses Modell weiterhin mit neuen Daten befüllt werde, helfe das auch dabei, den Erfolg von inter­national umgesetzten Klima­schutz­maßnahmen zu über­wachen, erklärt Pongratz auf der Website der LMU. Diese gewonnene Klarheit sei vor allem mit Blick auf die Erreichung der Pariser Klima­ziele essenziell.

Die Not der Notdurft

Der Zugang zu sauberen Toiletten ist ein Menschenrecht. Allerdings keines, das überall garantiert ist: Laut Angaben der UN haben mehr als vier Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu einer angemessenen Sanitärversorgung. Das hat neben erheblichen gesundheitlichen Folgen auch Auswirkungen auf Umwelt und Klima, weil Fäkalien notgedrungen ins Grundwasser und in Gewässer gelangen. Im Rahmen einer Aktion der Bill & Melinda Gates Foundation haben Forscher:innen am Samsung Advanced Institute of Technology (SAIT) eine Lösung entwickelt, die zumindest in Teilen Abhilfe schaffen könnte. Da die sanitäre Versorgung häufig auch an fehlenden Abwasser­systemen scheitert, haben sie innerhalb von drei Jahren eine Toilette entwickelt, die ganz ohne Wasser auskommt. Mithilfe von Wärme­behandlungs- und Bio­prozess­technologien werden Krank­heits­erreger in den menschlichen Exkrementen abgetötet. Feste Ausscheidungen werden getrocknet und zu Asche verbrannt, Flüssiges in einem biologischen Prozess gereinigt und in sauberes Wasser umgewandelt. Samsung hat sich bereit erklärt, auf das Patent zu verzichten, und ermöglicht so vielen Menschen den Nachbau. Auf diese Weise könnte also der Massenproduktion in Ländern ohne flächen­deckende Abwassersysteme Tür und Tor geöffnet werden.