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UN-Klimaschutzkonferenz 2022 – viel Schatten und viel Licht

23. November 2022

Die 27. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, COP27, blieb hinter den Erwartungen zurück. Yvonne Ruf und Marcus Berret, Partner:innen bei der Unternehmens­beratung Roland Berger, waren vor Ort dabei. Sie sehen die Ergebnisse mit gemischten Gefühlen.

von Kristina Kara, Studio ZX

Die Resultate der letzten internationalen Zusammen­kunft zum Thema Klimakrise in Ägypten sind grundsätzlich eher enttäuschend. Es gab keine Einigung für einen Ausstieg aus Öl und Gas. Abgesehen vom geplanten Loss-and-Damage-Fonds, der Gelder für die katastrophalen Folgen des Klima­wandels bereit­stellen soll, gibt es wenig Historisches zu berichten. „Dennoch sehen wir Erfolge, insbesondere bei den nicht staatlichen Akteuren. Unternehmen beispiels­weise schließen sich zusammen, um abseits von der Politik wirtschaftliche Chancen zu realisieren.“ Yvonne Rufs Fazit zur jüngsten Klima­konferenz der Vereinten Nationen in Scharm el-Scheich ist durch­wachsen. Die Partnerin und Nach­haltigkeits­expertin bei der Unternehmens­beratung Roland Berger war bei der COP27 dabei. Auch wenn sie die inter­national viel­fältig geäußerte Kritik an den Resultaten der Konferenz durchaus für berechtigt hält, sieht sie die Konferenz als Chance. Ihr Kollege Marcus Berret war ebenfalls in Ägypten. Er gibt ihr Recht. Zwar vermisst der Roland-Berger-Vorstand – genauso wie viele Kritiker:innen weltweit – das klare Bekenntnis zum Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger. Allerdings kommt er dennoch überwiegend optimistisch zurück nach Deutschland. Der Grund hierfür hat mit Klima­schutz auf den ersten Blick gar nicht so viel zu tun: „Weil es die erste Klima­konferenz nach Ausbruch der Corona­pandemie war, war es auch immer mal wieder Thema, dass sich Menschen endlich wieder ohne Masken begegnen können und was während der Pandemie alles passiert ist. Die Erfahrung, dass die Menschheit in der Lage ist, ein globales Problem unter Mobilisierung gewaltiger Finanz­summen, guter Technologie und regulatorischer Vorgaben relativ schnell in den Griff zu bekommen, gibt Hoffnung, dass es uns beim Klima genauso gut gelingt“, erklärt Berret. Nur mit der Umsetzung dürfte nicht mehr getrödelt werden. Und dafür ist ein konkreter Fahrplan unerlässlich. Ihre Ideen, welche Handlungen auf inter­nationaler und nationaler Ebene nun nötig sind, unterbreiten die beiden Fach­leute in dieser Folge des ZEIT für Klima-Podcasts – hinterlegt mit jeder Menge Fakten zur nachhaltigen Transformation der Wirtschaft.

Yvonne Ruf
© Roland Berger

Yvonne Ruf ist Partnerin und Co-Leiterin des Teams für Nach­haltig­keit und Klimaschutz bei Roland Berger und Mitglied des Aufsichts­rats. Sie berät Unternehmen dabei, Klima­schutz als Chance zu begreifen, beispiels­weise durch die Wert­schöpfung, die mit Dekarbonisierung und Klima­schutz einhergeht. Ruf hat in London Inter­nationale Politische Ökonomie studiert. 2008 kam sie zu Roland Berger.


Marcus Berret ist Partner und Global-Managing-Director bei Roland Berger. Mit zwei weiteren Vorstands­mitgliedern verantwortet er das weltweite Geschäft des Beratungs­unter­nehmens. Zudem leitet er die globale Industrials-Plattform von Roland Berger. Er hat Betriebs­wirtschafts­lehre an der Universität Hohenheim und der Ecole Supérieure de Commerce de Paris in Frankreich studiert.

Marcus Berret
© Roland Berger GmbH

Eine kurze Geschichte der Klimakonferenz

Die UN-Klimakonferenz (United Nations Climate Change Conference) findet jährlich mit allen Staaten, die Vertrags­partner der UN-Klima­rahmen­konvention sind, statt. Einige Jahre sind für ihre Entwicklung besonders wichtig:

1979, Genf: Die erste Weltklima­konferenz unter dem Dach der UN wurde von der Welt­organisation für Meteorologie (WMO) organisiert. Schon damals ging es darum, die durch den Menschen verursachten Klima­veränderungen einzudämmen.
1988, Toronto: Die Toronto-Konferenz trug wesentlich dazu bei, den Klimawandel auf die inter­nationale politische Agenda zu setzen. Sie fand kurz nach Veröffentlichung des Brundtland-Berichtes statt und war stark beeinflusst von der Idee der nachhaltigen Entwicklung.
1992, Rio de Janeiro: Beim sogenannten Umwelt­gipfel wurde die UN-Klima­rahmen­konvention vereinbart.
1995, Berlin: Seit diesem Jahr finden die UN-Welt­klima­konferenzen als Institution der Klima­rahmen­konvention staat.
2005, Montreal:Die Konferenz wurde um das Treffen der Mitglieder des Kyoto-Protokolls erweitert.
2009, Kopenhagen: Ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll konnte mangels Einigkeit nicht verabschiedet werden.
2015, Paris: Ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll wird verabschiedet. Ziel ist, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Das international agierende Beratungsunternehmen Roland Berger engagiert sich bei den Klima­konferenzen der Vereinten Nationen. Bei der COP27 in Ägypten war Roland Berger Headline-Partner des „Sustainable Innovation Forum“, eines großen Multi-Stakeholder-Forums, das parallel zur Welt­klima­konferenz statt­gefunden hat.

Scope für Scope – beraten und vorangehen

Es gibt drei Geltungsbereiche, in denen Unternehmen oder Organisationen Treibhaus­gase emittieren. Diese Geltungs­bereiche werden als Scopes bezeichnet. Zu Scope 1 zählen Emissionen, die unmittelbar aus eigenen Quellen entstehen und daher direkt vom Unternehmen verantwortet oder kontrolliert werden – zum Beispiel beim Betrieb von Heiz­kesseln in der eigenen Produktion oder im eigenen Fuhrpark. Der Scope 2 umfasst die indirekten Emissionen aus der Nutzung von Energie, die ein Unternehmen einkauft und daher außerhalb erzeugt werden. Dazu zählen etwa Strom und Fernwärme. Im Scope 3 werden die indirekten Emissionen gemessen, die innerhalb der eigenen Wert­schöpfungs­kette liegen. Entstehen können sie beim Einkauf der Produktions­mittel und beim Verkauf der eigenen Waren und Dienst­leistungen. Scope 3, so Roland Berger, bestimme wesentlich die Größe des ökologischen Fußabdrucks von Unternehmen.