ZEIT für X
Muli Cycle

Die Scheunenschrauber

28. April 2022
ZEIT Redaktion

Sören Gerhardt ist mit seinem Unternehmen Muli Cycles auf einen neuen und zugleich alten Trend auf­gesprungen: Lasten­räder. Hier kommt sein Unternehmer­frage­bogen.

von Navina Reus, ZEIT Redaktion

Redaktioneller Beitrag aus „ZEIT für Unternehmer, Ausgabe 04/2021“

Herr Gerhardt, was macht Ihr Unternehmen Muli Cycles?

Sören Gerhardt: Wir stellen kompakte Lasten­räder her, die sich besonders für Menschen eignen, die in Groß­städten auf engem Raum zusammen­leben. Gleich­zeitig begreifen wir unsere Arbeit als einen Beitrag zu einer gemein­wohl­orientierten Ökonomie, denn wir produzieren diese Räder komplett in Deutschland.

Was ist Ihre größte Herausforderung?

Die Skalierung des Unternehmens, denn die Nachfrage nach unseren Rädern ist seit Jahren enorm. Die Pandemie hat diesen Trend noch einmal verschärft. Daher sind große Liefer­eng­pässe bei vielen Bauteilen entstanden, die wir für den Bau der Räder benötigen.

© Henning Ross

Wie viel Geduld brauchen Ihre Kunden?

Schon etwas, wir waren dieses Jahr schon früh ausverkauft. Allerdings können wir demnächst noch mal eine kleine Nachorder freischalten. Zwei Monate wird die Liefer­zeit da vor­aus­sichtlich betragen.

Ihr Unternehmen wäre nichts ohne …

… das Know-how, das mein Bruder Jonas als Maschinenbauer und ich als Designer zusammen­bringen. Und es wäre nichts ohne unsere Kinder, ohne sie wären wir wohl nie auf die Idee für das Projekt gekommen.

Woran wäre Ihre Firma fast gescheitert?

2017 haben wir die Produktion der ersten Räder in der Scheune meiner Groß­mutter begonnen. Das Projekt hat dann so schnell an Dynamik gewonnen, dass wir 2018 vor der Frage standen: Wollen wir dauer­haft diesen Druck und die Risiken, oder stoppen wir hier? Wir haben uns dann für das Risiko entschieden, weitere Mitarbeiter gesucht und weiter­gemacht.

Was an Ihren Produkten finden Sie ästhetisch, was nützlich?

Sehr nützlich ist, dass unsere Räder kurz sind und sich der Korb zusammen­klappen lässt. Ästhetisch ist unsere klare und schnörkel­lose Rahmen­geometrie.

Sören Gerhardt Mit Muli-Fahrrad
© Tim Kaiser

Welches Ihrer Produkte mögen Sie am wenigsten?

Das Regenverdeck. Das funktioniert gut, sieht aber etwas unförmig aus, und ich hätte es gerne noch etwas einfacher im Handling.

Wo machen Sie Kompromisse?

Auch wir sind darauf angewiesen, einige Fahrrad­komponenten in Asien einzukaufen.

Freuen oder ärgern Sie sich, wenn Wettbewerber das Geschäft beleben?

Unsere Räder hatten mit ihren kleinen Reifen und dem komprimierten Rahmen ein echtes Allein­stellungs­merkmal. Nun hat einer unserer Kunden das Konzept über­nommen und auch ein Rad auf den Markt gebracht. Das ärgert uns schon, wir hätten uns mehr Wert­schätzung gewünscht.

Welche ist Ihre wichtigste Maschine?

Der Schweißroboter namens Maggo.

Und was ist der wichtigste Algorithmus?

Unser ERP-System, das unser Informatiker Oliver Philipps laufend weiter­entwickelt. Es hilft uns unter anderem dabei, Knappheiten zu erkennen und recht­zeitig zu reagieren.

Wie wichtig ist Ihnen Diversität?

Sehr. Aber wir haben als männliches Gründer­team angefangen, Monteurinnen sind schwer zu finden. Daher sind nur 2 unserer 20 Beschäftigten weiblich. Das wollen wir verbessern.

Was begrenzt Ihr Wachstum?

Die größte Hürde ist unser Anspruch, nachhaltig zu produzieren. Deswegen holen wir keinen Investor in die Firma, dem Gewinn­maximierung wichtiger ist.