ZEIT für X
Solarzellen auf dem Balkon

Solarenergie für alle

17. August 2022

Ein Berliner Start-up hat einen Bausatz entwickelt, mit dem Privat­personen Solar­energie produzieren können. Auch für Unternehmen ist das Modell interessant.

Die steigenden Energiepreise machen vielen Menschen zu schaffen. Der Ukraine-Krieg hat die ohnehin schon schwierige Situation verschärft. Aber Not macht erfinderisch – das dachten sich auch Karolina Attspodina und Qian Qin. Gemeinsam haben sie ein Start-up gegründet, um ganz gezielt an einer Lösung zu arbeiten: Mit We Do Solar bieten sie Stecker-Solar-Geräte für den Hausgebrauch an.

Die von We Do Solar entwickelten Photovoltaik-Kits sollen Privat­haushalten helfen, die Strom­kosten um ein Viertel zu reduzieren – vom Balkon aus. Ein Kit besteht aus acht Solarmodulen, die pro Stück nur ein Kilogramm wiegen und schnell im DIY-Verfahren anzu­bringen sind. Die Bausätze sind zertifiziert und werden mit einer Leistungs­garantie von 25 Jahren verkauft. Durch einen Micro­wechsel­trichter beträgt die Einspeise­leistung 600 Watt. Eine Tracking-App ermöglicht es Nutzer:innen zudem, die Energie­produktion ihrer Solar­anlage live zu verfolgen. Die in China hergestellten Module kosten im Setpreis derzeit 1.299 Euro. Mittelfristig will We Do Solar die Produktion nach Europa verlagern.

Attspodina und Qin sind versierte Gründende. Attspodina hat mehr als zwölf Jahre Erfahrung in der inter­nationalen Unternehmens­beratung und im Start-up-Coaching. Qin ist ehemaliger Geschäfts­führer der BSH Digital Ventures GmbH. Das gemeinsame Unternehmen We Do Solar haben sie im Februar dieses Jahres in Berlin vorgestellt – und nur einen Monat später wurden schon mehr als 1.500 Solar-Kits bestellt.

Solarenergie ist kostenlos

„Solarenergie ist kostenlos und leicht verfügbar. Bestehende Solar­lösungen sind entweder für den industriellen Einsatz bestimmt oder zu schwer, um sie ohne die Hilfe eines qualifizierten technischen Teams zu installieren. Wir bieten ein Produkt an, das jede Person, ob Haus­eigentümer oder Mieter, täglich nutzen kann, um Haus­halts­geräte mit Strom zu versorgen“, sagt Attspodina. „Wir wollen nach­haltige Energie zugänglich machen, und ich sehe großes Potenzial darin, dass die Menschen ihre Energie­unabhängigkeit selbst in die Hand nehmen.“

Einfach installiert, kluge Kooperationen

Die Module werden über ein Stromkabel einfach mit einer Außen­steck­dose verbunden. Sobald die Sonne scheint, verbrauchen die Haus­halts­geräte zuerst den Solarstrom. Neben dem Direkt­kauf über die Unternehmens­website bietet We Do Solar den Besitzer:innen von Elektro­autos an, ihre THG-Quote – ein vom Gesetz­geber ausgestelltes und handelbares Emissions­zertifikat – gegen ein kosten­loses Set einzutauschen. Zusätzlich sollen Kooperationen mit Arbeit­geber:innen geschlossen werden, die die Bausätze über Vorteils­programme an Mitarbeitende geben können.

Unternehmen, die sich intensiv mit Nachhaltigkeit aus­einander­setzen, dürfte das Programm besonders interessieren. Über eine Kooperation ließen sich nicht nur zentral die CO2-Emissionen tracken. Auch Mitarbeitende könnten ein Set als Ausgleich zu den im Homeoffice anfallenden Strom­kosten bekommen und so finanziell entlastet werden. Erste Vereinbarungen mit Unternehmen sind bereits geschlossen. Die Geschäfts­entwicklung wird durch Angel-Fonds unter­stützt, We Do Solar ist weiterhin offen für neues Investment.