ZEIT für X
Chefin im Konferenzraum

Ohne Message geht nichts – darauf sollten First-Time Leaders achten

13. September 2022

Der erste Eindruck ist entscheidend. Das gilt in allen möglichen Lebens­lagen, ins­besondere aber im Job. Und ins­besondere dann, wenn man gerade in eine Führungs­position gekommen ist. Deswegen empfiehlt US-Autor George Bradt eine sorg­fältige Vorbereitung.

Zwar gelten die USA als Mutterland des „You can do it“, nichts­desto­trotz hat sich dort auch eine sehr lukrative und professionelle Coaching-Kultur etabliert. Dabei gilt die Prämisse, dass sich zwar nicht alles vorhersehen lässt, aber das ohne Vorbereitung zumindest das Scheitern wahrscheinlicher wird. Und das gilt auch für Menschen, die zum ersten Mal eine Führungs­position inne haben: First Time Leaders.

Im Bereich First Time Leader-Coaching oder Executive Onboarding hat sich dabei schon seit Mitte der 2000er Jahre George Bradt einen Namen gemacht. Bradt berät mit seiner eigenen Firma PrimeGenesis first time leaders und hat als (Co-)Autor schon mehrere Bücher zu dem Thema heraus­gebracht.

Hilfe annehmen

Bradt ist Verfechter der intensiven Vorbereitung auf eine neue Führungs­position. Jemanden, der sich nicht vor­bereitet, vergleicht er mit jemandem, der sich vor einen Bus legt, um ihn anzuhalten. Jemanden, der sich weigert, Hilfe anzunehmen.

Für neue Führungskräfte, so Bradt, scheint das insbesondere zu gelten. Aber warum? Bradt zitiert in einem Artikel für das Wirtschafts­magazin Forbes den ehemaligen Dekan der Stanford Business School, Robert Joss. Joss habe ihm erklärt, dass nur 20 Prozent der Menschen selbst­bewusst genug seien, um nach Hilfe zu fragen. Diese 20 Prozent hätten dann aber auch eine viel höhere Chance erfolgreich zu sein. Die Hälfte des Rests würde scheitern, die andere Hälfte sich sehr schwer tun.

Einen weiteren Grund für die fehlende Bereitschaft nach Hilfe zu fragen, geben er und seine Co-Autorin Gillian Davis gleich am Anfang ihres Buches „First-Time Leader“ selbst: „Als Gillian ihre erste Management-Rolle bekam, ist sie mit Voll­dampf gestartet. Sie dachte, die beste Möglichkeit, Menschen von ihren Ideen zu überzeugen, sei zu zeigen, dass sie fähig war. Also hat sie alles gemacht: Prozesse verändert, Marketing-Pläne erstellt, neue Produkt­linien entworfen. Es hat nicht lange gedauert, bis sie gemerkt hat, dass das weder funktionierte, noch effizient war.“

Wer führen will, muss inspirieren

Was es stattdessen braucht, so Bradt und Davis, ist eine strategische Heran­gehens­weise. Dabei sei der größte Fehler den First Time Laders machten, der zu glauben, als Führungs­kraft müssten sie einfach mehr von dem tun, was sie schon vorher gemacht hätten. In Ihrem Buch benennen die beiden Autoren*innen dabei drei weitere Aspekte, die oftmals falsch eingeschätzt würden: Ein Team zu führen, sei etwas anderes, als ein Team zu managen. „Wo es beim Managen darum geht, zu organisieren, zu koordinieren, und zu vermitteln, geht es beim Führen um Inspiration, Ermöglichung und gemeinsame Kreation.“ Sicher müssten Führungskräfte in der Lage sein, Management-Werkzeuge anzuwenden, aber vornehmlich gehe es darum zu inspirieren und eine Purpose nach vorne zu treiben.

Beim Führen geht es um Inspiration, Ermöglichung und gemeinsame Kreation.

George Bradt

Daher müsse eine Führungsperson auch mehr als nur eine charismatische Figur, die vorweg marschiert, sein. Eine solche Einstellung könne zwar eine zeitlang durch­aus gut funktionieren, schreiben Bradt und Davis, aber auf Dauer gehe es eben nicht vornehmlich um eine Person und ihr Charisma, sondern um das, was sie verkörpere: ihre Einstellungen, Beziehungen, Werte und das Umfeld, welches sie schafft.

Vor diesem Hintergrund müsse daher auch verstanden werden, wie entscheidend die erste Führungs­rolle für den weiteren Karriere­verlauf ist. Um eine weitere Bus-Metapher zu bemühen: Nicht aus dem Stand drauf­springen, sondern schon vorher anfangen zu laufen, damit man die Geschwindigkeit aufbaut, um sicher zu landen.

Der erste Tag ist entscheidend

Die beiden Autor*innen betonen dabei insbesondere die Wichtigkeit des ersten Tages. Wer in eine Führungs­position kommt, wird anders wahr­genommen, als ein neuer Kollege oder eine neue Kollegin. Denn der Impact, den man auf Mitarbeitende haben wird, wird um ein Vielfaches größer sein. Und das heißt eben auch, das alles, was man tut (oder nicht tut), genau beobachtet wird. Wer das im Kopf behält, dem*der wird klar, wie wichtig Aspekte wie Timing, Symbole, und Auftreten ist: „Behalten sie im Kopf, dass alles Kommunikation ist.“

Behalten sie im Kopf, dass alles Kommunikation ist.

George Bradt

Und diese Kommunikation muss mit einer Message verknüpft sein. Was will ich vermitteln? Worum geht es mir? „Formulieren Sie ihre erste Message sorgfältig. Bevor sie mit irgend­jemandem sprechen, machen Sie sich ganz klar, was sie darüber denken und lassen sie sich dabei von diesen Fragen helfen: 1) Was ist ihre Mission? 2) Was ist ihre Rolle? 3) Wie kann ich dabei helfen?“

Wer sich mit diesem Fragenkomplex nicht auseinandergesetzt hat, ist am Tag 1 zu spät dran. Bradt und Davis raten daher: „Behalten sie im Kopf, dass starke Meinungen, lange Vorstellungen und Versuche, sich sofort unter Beweis zu stellen, selten, wenn überhaupt, eine gute Taktik für Tag 1 sind.“

Ausführliche Tipps zu First Time Leaders finden Sie in Bradt und Davis Buch „First Time Leader.“ Wenn Sie sich für ein First Time Leader Coaching interessieren, hören Sie im Zeit für Arbeit-Podcast nach, was Katrin Grunwald, First Time Leader-Coach rät: