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Impulse des Monats – vom Metaverse, schnellen Netzen und Epidemien

24. November 2022

Aus welchen Ideen können Innovationen werden, die unser Miteinander verändern? Und was können Unternehmen, Politik und Zivil­gesellschaft davon mitnehmen? Drei viel­versprechende Ansätze aus der Forschung.

von Anna-Lena Limpert, Studio ZX

Trends kommen und gehen, das liegt in der Natur der Sache. Aber manchmal kann aus einem Trend echter Wandel werden, der lang­fristig für Veränderung sorgt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ganze Branchen und weite Teile der Gesellschaft von einer Veränderung profitieren. In dieser Reihe stellen wir einmal im Monat genau solche Lösungen vor: drei Initiativen, Ideen, Gründungen oder Forschungs­ergebnisse, die inspirieren und das Zeug für mehr haben.

Ein medizinisches Metaversum

Untersuchungen am offenen Herzen, ohne dafür am Operationstisch zu stehen: Für medizinische Fachkräfte am Houston Methodist Institute for Technology, Innovation and Education (MITIE) in den USA wird das nun Realität. Dort wurde eine Virtual-Reality-Umgebung entwickelt, die Nutzer:innen erlaubt, mithilfe chirurgischer Simulationen und interaktiver Modelle zu lernen. Die VR-Plattform MITIEverseTM ist via App zugänglich und könnte „der erste Schritt bei der Entwicklung eines medizinischen Metaversums sein“, sagt Stuart Corr, der den Bereich Innovations­system­technik leitet. Die App kann darüber hinaus den Zugang zu einer medizinischen Ausbildung vereinfachen, denn „es gibt dann keinen Grund mehr, Tausende von Meilen zurück­zu­legen“, wie Alan Lumsden vom Herz- und Gefäß­zentrum der Institution anmerkt.

Forschung, blitzschnell

Das US-amerikanische Energy Sciences Network (ESnet) hat vor Kurzem ESnet6 vorgestellt – ein neues Hoch­leistungs­netz für die Wissenschaft. Mit Über­tragungs­geschwindigkeiten von mehr als 46 Terabit pro Sekunde ermöglicht es einen leichteren, schnelleren und effizienteren Austausch von wissenschaftlichen Daten und erleichtert so die Zusammen­arbeit von Forscher:innen auf der ganzen Welt. „Da wissenschaftliche Instrumente immer komplexer werden und Super­computer mit einer immer höheren Auflösung arbeiten, stehen Forscher:innen vor einer wachsenden Heraus­forderung“, erklärt Barbara Helland vom DOE Office of Science’s Advanced Scientific Computing Research Program. Sie bestehe darin, „exponentiell wachsende Datenmengen global und schneller als je zuvor zu bewegen, aus­zu­tauschen und zu verarbeiten“.

Epidemien mittels Handy­daten erkennen

Epidemien könnten mit der Methode des IMDEA Networks Institute in Zukunft früher erkannt und über­wacht werden: Dafür werden Netz­werk­daten gesammelt, die vom Handy an den nächst­gelegenen Funkmast übertragen werden. Die Forscher:innen ermitteln dann, ob sich der oder die Besitzer:in des Mobil­telefons in der Nähe einer Klinik befindet, die beispielsweise Corona­patient:innen aufnimmt. Das deute nach Annahme der Wissen­schaftler:innen auf eine Infektion hin. Die Daten werden mithilfe eines Algorithmus permanent ausgewertet – mit dem Ziel, zeitliche Veränderungen zu identifizieren. Auf diese Weise könnten präzisere Erkenntnisse über die Ausbreitung einer Krankheit – eben einer Epidemie – getroffen werden.