ZEIT für X
Neon-Schrift "Work & Play"

Impulse des Monats – von leuchtenden Leitplanken und energiereichen Segel­törns

07. Oktober 2022

Aus welchen Ideen können Innovationen werden, die unser Miteinander verändern? Und was können Unternehmen, Politik und Zivil­gesellschaft davon mitnehmen? Drei viel­versprechende Ansätze aus der Forschung.

von Anna-Lena Limpert

Trends kommen und gehen, das liegt in der Natur der Sache. Aber manchmal kann aus einem Trend echter Wandel werden, der lang­fristig für Veränderung sorgt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ganze Branchen und weite Teile der Gesellschaft von einer Veränderung profitieren. In dieser Reihe stellen wir einmal im Monat genau solche Lösungen vor: drei Initiativen, Ideen, Gründungen oder Forschungs­ergebnisse, die inspirieren und das Zeug für mehr haben.

Parkinson frühzeitig erkennen – mithilfe von KI

An Parkinson erkrankte Menschen weisen im Schlaf bestimmte Atem­muster auf. Forscher:innen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben ein Gerät entwickelt, das mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) diese Atemmuster erfasst und erkennt, ob und wie schwer die schlafende Person an Parkinson erkrankt ist. Das Gerät sieht aus wie ein WLAN-Router und kann zu Hause eingesetzt werden. Es „begleitet“ die Entwicklung der Krankheit und zieht so Rückschlüsse auf deren weiteren Verlauf. Die Diagnose Parkinson sei bisher schwer zu stellen, da sie vor allem auf Basis motorischer Symptome und Einschränkungen wie Langsamkeit, Versteifungen oder sogenannter Schüttel­lähmungen beruht, erklärt Dina Katabi, eine der beteiligten Forscherinnen, auf der Website des MIT. Studien hätten allerdings gezeigt, dass sich Atem­symptome bereits viel früher manifestierten und deshalb als Risiko­bewertung – sogar noch vor der Parkinson-Diagnose – viel­versprechend sein könnten. Das KI-Modell soll durch die früh­zeitige Erkennung den Krankheits­verlauf positiv beeinflussen.

Smarte Verkehrs­helferinnen

Zwar sterben in Deutschland immer weniger Menschen im Straßen­verkehr, dennoch gab es im Jahr 2021 immer noch mehr als 2.500 Verkehrs­tote. Im selben Jahr kam es auf Autobahnen zu über 16.000 Unfällen mit Personen­schaden. Eine smarte Entwicklung der Poly­technischen Universität Valencia könnte weltweit für mehr Sicherheit sorgen: durch intelligente Straßen­leit­planken. Dank zahl­reicher Sensoren erkennen sie Gefahren­situationen wie Staus zu einem sehr frühen Zeit­punkt und weisen die Verkehrs­teilnehmer:innen durch Licht­signale darauf hin. Dabei erfassen die Leit­planken auch Geschwindig­keiten, sodass Delikte von Raser:innen direkt den örtlichen Behörden gemeldet werden. Das ist noch nicht alles: Mithilfe von integrierten Luft­sensoren kann beispiels­weise der CO2-Gehalt der Umgebung ermittelt und automatisiert via Cloud an verschiedene Daten­platt­formen gesendet werden. Aus den eigentlich statischen Leit­planken werden so aktive Bausteine einer „Smart City“.

Wasserstoff beim Segeln herstellen

Segler:innen aufgepasst! Beim Törn lässt sich Wasserstoff herstellen. Das britische Start-up DRIFT Energy hat dafür spezielle Elektrolyseure entwickelt. Das sind Vorrichtungen, die mithilfe von elektrischer Energie Wasser­moleküle in Sauer­stoff spalten – und brennbaren Wasser­stoff. Der Strom wird in diesem Fall durch den Wind erzeugt, der das Segel­boot voran­treibt. Dank einer speziellen Software ermittelt DRIFT stets die optimalen Bedingungen für die Wasser­stoff­produktion. Der erzeugte Wasserstoff kann dann auf dem Boot direkt wieder verwendet werden – sozusagen als eigene Energie­quelle. Das lässt den Segeltörn nicht nur spaßig, sondern obendrein umwelt­freundlich werden. Die Ressourcen fürs energie­gewinnende Segeln seien riesig, schließlich nähmen Ozeane ungefähr 72 Prozent der Erdfläche ein, und Wind gebe es auch überall, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Zwar ist die Technologie von DRIFT nur für einen kleinen Teil­bereich, eben das Segeln, einsetzbar. Sie kann aber genau deshalb als Inspiration für andere Nischen­aktivitäten dienen und zum Umdenken anregen, wenn auch erst mal im kleineren Rahmen.