ZEIT für X
Der Pforzheimer Schmuckhersteller Wellendorff

17 Jahre getüftelt

01. April 2022
ZEIT Redaktion

Im Fragebogen möchte es Jens Tönnesmann von Unternehmer:innen ganz genau wissen.
Heute Schmuckhersteller Georg Wellendorff.

von Jens Tönnesmann, Redakteur im Wirtschaftsressort, DIE ZEIT, verantwortlicher Redakteur, ZEIT für Unternehmer

Redaktioneller Beitrag aus „ZEIT für Unternehmer, Ausgabe 03/2021“

Alles Gute, eine schöne Zeit, bis bald: Während Georg Wellendorff via Videocall den Unternehmer-Fragebogen beantwortet, verabschiedet er diverse Kollegen in den Urlaub. Er leitet den Pforzheimer Schmuck­hersteller Wellendorff mit seinem Bruder Christoph. Und legt dabei Wert auf Traditionen, die kollektiven Ferien etwa und die Vesper um Punkt neun Uhr.

Was macht Ihr Unternehmen?

Vordergründig machen wir Schmuck, tatsächlich aber inspirieren wir Menschen, besondere Momente des Glücks, der Liebe und des Erfolges ein Leben lang mit unserem Schmuck festzuhalten. Wer etwa an einem unserer drehbaren Ringe dreht, der soll sich ein Leben lang an so einen Moment erinnern.

Was ist die größte Heraus­forderung?

Zu machen, was andere nicht können, das kitzelt uns. Wir haben lange daran getüftelt, federndes Gold zu fertigen – Armbänder, die ohne Verschluss auskommen. Erst nach 17 Jahren hatten wir Erfolg.

Wer oder was trägt Sie durch die Krise?

Unsere Geschichte und unser Erbe. Wellendorff gibt es seit 1893, wir haben viele schwere Krisen erlebt, Erfahrungen gesammelt, Reserven aufgebaut, Ideen entwickelt. Das hat uns geholfen, als die Juweliere während der Lockdowns schließen mussten.

Georg Wellendorff
© Wellendorff Georg Wellendorff

Wen tragen Sie durch die Krise?

Unsere 140 Mitarbeiter, die wir natürlich alle gehalten haben.

Was an Ihrem Schmuck finden Sie ästhetisch, was nützlich?

Ästhetisch ist unser Design: zurückhaltend, puristisch, eindeutig wieder­erkennbar. Nützlich ist, dass er angenehm zu tragen ist und sich intuitiv anlegen lässt.

Welches Ihrer Produkte mögen Sie am wenigsten?

Kunden liefern mitunter Schmuck zur Reparatur ein, der jahr­zehnte­alt ist. Ich habe dann einen Armreif auf dem Tisch, den mein Großvater gefertigt hat, das ist ein besonderes Gefühl. Aber ich gebe zu: Manche ältere Schmuckstücke passen nicht mehr in den Zeitgeist, die gefallen mir nicht so gut.

Wellendorff wäre nichts ohne …

… die Mitarbeiter, die uns oft seit Generationen verbunden sind. Wir haben einen Juwelen­fasser, dessen Großvater schon Juwelen­fasser bei uns war. Genau wie sein Vater. Und der 15-jährige Sohn überlegt jetzt auch, Juwelen­fasser zu werden.

Welche ist die wichtigste Maschine in Ihrem Unternehmen?

Um ein Collier aus 18-karätigem Gold zu fertigen, braucht es 48 Arbeitsschritte und das Finger­spitzen­gefühl von Menschen aus acht Berufen. Was aber kein Mensch kann: Schmuck auf einen Hundertstel­milli­meter genau positionieren. Dafür haben wir eine Drehbank, ohne sie geht es nicht.

Welche Entwicklung Ihrer Firma erfüllt Sie mit am meisten Genugtuung?

Wellendorff ist die einzige Luxus-Schmuck­manufaktur, die noch ganz ihrer Gründerfamilie gehört – trotz aller Krisen und zweier Kriege, seit 128 Jahren.

Welche Unternehmer würden Sie gerne zum Lunch treffen?

Meinen Urgroßvater Ernst Alexander Wellendorff. Auf dem Tisch stünde ein guter Rotwein, und wir würden uns über seine Einstellung und Philosophie unterhalten.