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Der Hausl mit den Nähmaschinen

Der Hausl mit den Nähmaschinen

01. April 2022
ZEIT Redaktion

Im Fragebogen möchte es Jens Tönnesmann von Unternehmer:innen ganz genau wissen. Heute von Markus Meindl, dem Leiter der Firma Meindl Fashion.

von Jens Tönnesmann, Redakteur im Wirtschaftsressort, DIE ZEIT, verantwortlicher Redakteur, ZEIT für Unternehmer

Redaktioneller Beitrag aus „ZEIT für Unternehmer, Ausgabe 04/2020“

Am Ende eines unruhigen Tages sitzt Markus Meindl im Büro seiner Firma Meindl Fashions, deren Geschichte bis 1683 zurückreicht. Eben ist hier, im ober­bayerischen Kirchanschöring nahe der österreichischen Grenze, der Strom ausgefallen, und es ging nichts mehr in der Näherei, in der Meindls Mitarbeiter Jacken und Hosen aus Leder fertigen. Heute Morgen hat der 50-Jährige auch noch vom ersten Corona-Fall in der Belegschaft erfahren. Jetzt beantwortet er in einem Video-Call den Fragebogen.

Was macht Ihr Unternehmen?

Wir stellen klassische, aber auch moderne Mode aus Leder und anderen Stoffen her, vor allem Hosen und Jacken für Wanderer, Motorrad­fahrer und Jäger – oder einfach für den alpinen Lebensstil.

Was ist Ihre größte Herausforderung?

Mein Zeitmanagement. Das wird im Alltag permanent gecrasht – nicht nur, wenn der Strom ausfällt. Ich bin der Hausl – der Mann für alles. Aber ich bin auch gerne überall eingebunden; das habe ich von meinem Vater.

Wer trägt Sie durch die Krise?

Meine tollen Mitarbeiter, meine Familie, meine Freunde. Es gibt Menschen, von denen ich mich in diesen schwierigen Zeiten trennen musste; andere wiederum sind zu wichtigen Unterstützern geworden. Arnold Schwarzenegger zum Beispiel, den ich seit über 25 Jahren kenne. Im Moment telefonieren wir oft. Er ist jemand, der immer positiv denkt. Das tut gut.

Was an Ihren Produkten finden Sie ästhetisch – und was nützlich?

Jedes unserer Kleidungsstücke aus Wildleder ist ein Unikat, hat ein ganz eigenes Aussehen. Das finde ich ästhetisch. Nützlich ist, dass unsere Kleidungs­stücke ziemlich robust sind und so sehr lange halten.

Welches mögen Sie am wenigsten?

Unsere Bundhose. Die trage ich nicht so gerne.

Vervollständigen Sie den Satz: Mein Unternehmen wäre nichts ohne …

… meinen Vater Hannes und meinen Onkel Alfons. Die beiden haben nach dem Zweiten Weltkrieg einen Handwerksbetrieb mit fünf Mitarbeitern übernommen und zu einem großen und gesunden Unternehmen gemacht, das sie dann später meinen Cousins und mir in die Hände gelegt haben.

Welche ist die wichtigste Maschine in Ihrem Unternehmen?

Jede unserer 40, 50 Nähmaschinen. Was die leisten, ließe sich per Hand nicht machen.

Und was ist der wichtigste Algorithmus für Ihre Firma?

Der steckt in einer simplen Zeitschalt­uhr, die dafür sorgt, dass um sieben Uhr früh eine 100 Jahre alte Glocke läutet. Das ist das Zeichen dafür, an die Arbeit zu gehen.

Welche Entwicklung Ihrer Firma erfüllt Sie am meisten mit Genugtuung?

Dass du heute überall auf der Welt Menschen triffst, die unsere Jacken tragen und damit einen gewissen Life­style bekunden, ob in den Rocky Mountains oder in New York.

Was schätzen Sie am Unternehmertum?

Die Freiheit, die Dinge zu machen, an die du selber glaubst. Dafür musst du aber sauber wirtschaften. Das tue ich – und kann deswegen auch in diesen Zeiten gut schlafen.

Was können Sie gar nicht leiden?

Neid. Gier. Diebstahl geistigen Eigentums.

Welchen Unternehmer würden Sie gerne einmal zum Business Lunch treffen?

Bahn-Chef Richard Lutz, auf ein Glas Wein im Bordrestaurant. Ich fahre gerne Bahn – auch, weil da so schnell keiner meinen Zeitplan durcheinanderbringt.